Stiftung Radiomuseum Luzern

Museum
Astranova AG; Flüh
   Volksempfänger
Autophon AG; Solothurn
   Royal-Tisch-Kom
   Universo
   Royal Universo
Biennophone
   179w
   NF-Telefonrundspruch
   593
Carma, Präzisionswerkstätte; Winterthur
   Metadyn
Deso, Dewald & Sohn; Zürich
   Monaco
EAG, Elektrizitäts AG; Wädenswil
   Detektor-Empfänger
   Detektor-Empfänger
Echophone, Marke (ab 1937) von Apco AG; Zürich
   Record SW
Favarger & Co.; Neuchâtel
   (2-Rö)
   (4-Rö)
   MFR1
   NF-Verstärker
   NF-Verstärker
Jura; La Chaux-de-Fonds (eigentlich Zürich)
   Superinductance
Komet Radio AG; Mitlödi
   KW-Vorsatz
Maxim; Aarau
   Detektor-Empfänger
   Detektor-Empfänger
   E20
   E30
   E40
   E41
   E43
   Detektor-Empfänger
   Standard
Mediator; La Chaux-de-Fonds
   25A
Radiofee, Ernst Hirschi und Radio-House; Zürich
   TA76
Reymond Frères (RMF); Châtelaine bei Genf
   4-Rö-2-Türen
Schneider, André; La Chaux-de-Fonds
   6-Rö
   5-Rö
   Modell?
   2-Röhrenempfänger
   Unbekannt-14
Schuler, Xaver; Brunnen
   Normaltype
   LS-Luxustype
Seyffer & Co.; Zürich
   Nestler-matho
Télévox (TELEVOX SA); Neuchâtel
   NF-Verstärker
   Mirus (?)
   Audion
   Semper-Radiola
   3-Rö
   Minor
   Televox 4
   4-Röhren-Steilpult
   Serie 1.
Zellweger AG; Uster
   Detektor-Empfänger
   M2
Stettler, Basel (Marke Paradyn)
   Paradyn Spezial
Ryser, G; Flawil
   7-Röhren-Superhet
Hier finden Sie einen Auszug von Schweizer Radios der "Stiftung Radiomuseum Luzern". Diese 1999 gegründete Stiftung hat mehrere Ziele. Die beiden Hauptziele sind das Sammeln und Bewahren der Schweizer Radios aus den 20er Jahren und den Aufbau und Betrieb der Internetseiten Radiomuseum.org.

Auf dieser CH-Seite sehen Sie in Radiomuseum.org (RMorg) verteilte Bilder von Schweizer Radios des Museums in konzentrierter Form. Bei RMorg hingegen finden Sie mehr als 86-tausend Modelle aus zahlreichen Ländern, wobei für die deutschsprachigen Länder ein Radiokatalog entstanden ist - oder insgesamt mit dem viel besuchten Forum ein eigentliches Nachschlagewerk, das man direkt oder über den SEARCH erreicht. Dieses Werk enthält mehr als 75-tausend Bilder und 55-tausend Schaltbilder. Allerdings können nur MItglieder Schaltbilder (und Sammlerpreise) einsehen und ausdrucken sowie Bilder gross klicken.

Diese rund 2500 Mitglieder aus 58 Ländern bringen diese Bilder und Schaltbilder aber auch ein und legen neue Modelle an etc. RMorg lebt also vom GEist des "Gebens und Nehmenn". Im Forum tauschen sich die Mitglieder fachlich aus, was auch Gäste einsehen können. Dort Mitglied zu werden ist einfach - orientieren Sie sich auf jener Einstiegsseite (HP) über den Link "Mitgliedschaft". Sie können unter "Sammlungen" hunderte von Sammlungen der aktiven Mitglieder einsehen, wobei die Eingabe des Namens bei Google meist einen vordersten Platz erreicht. Nicht ohne Grund besuchen täglich einige tausend Gäste und einige hundert Mitglieder dieses Portal. Details dazu ersieht man beim Klick auf das blaue Signet unten links.

Nun zu den Seiten hier:

Sie klicken einfach Modelle, die Sie interessieren und erhalten Bilder und Bildlegenden dazu. Beim RMorg sind diese Seiten natürlich mit vielen Details versehen und meist auch die Röhren vermerkt - diese wiederum klickbar für Bilder und Daten darüber.

Nun finden Sie hier noch einen Text über die Radiogeschichte der Schweiz als Auszug aus dem Buch "Radios von gestern". Der Betreiber hier ist der Autor. RMorg listet 175 "Radiofirmen" für die Schweiz, doch nur eine Minderheit hat eigenständig Radios produziert. Dennoch sind weit mehr als 2500 verschiedene Radiomodell in der Schweiz entstanden. Diese spielten auch für den Export eine grössere Rolle, doch eher für eine beschränkte Zeit.

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Schweiz

1852 erstellt die Schweizerische Eidgenossenschaft ein Staats-Telegrafennetz. Die Apparate baut die Eidgenössische Telegrafenwerkstätte in Bern. 1854 entsteht in Thun die erste Militärtelegrafenleitung. 1859 vervollständigt man das Netz an der Südgrenze anlässlich der Grenzbesetzung während des österreichisch-lombardischen Krieges mit besonderen Militärlinien. 1870/71, während des deutsch-französischen Krieges, kommen an der Nord- und Westgrenze umfangreiche Erweiterungen des Netzes dazu. Schon ein Jahr nach der Erfindung von Bell, 1877, führt die Schweizerarmee die ersten Feldversuche mit dem neuartigen Telefon durch und 1888 gelangen nach umfangreichen Versuchen 18 Telefonapparate an die Truppe.

Die Schweiz spielt um die Jahrhundertwende eine führende Rolle in der Elektrizitätsindustrie, hat jedoch zu jener Zeit vollständig verpasst, eine eigene Radiotechnik zu entwickeln. Allerdings wiederholen einige Forscher sehr früh die Experimente von Hertz und sammeln durch allerlei Versuche weitere Erkenntnisse. In Genf finden 1890 die Physiker Ed. Sarasin und L. de la Rive die von ihnen bezeichnete "multiple Resonanz". Dazu verwenden sie in Gross angelegten Experimenten unter Öl gesetzte Funkenstrecken mit starker Dämpfung. In Basel wiederholen Ed. Hagenbach-Bischoff und L. Zehnder 1891-1894 die Versuche von Hertz unter neuen Bedingungen und veröffentlichen ihre zusätzlichen Resultate. Zehnder macht sich durch eine "wellenempfindliche Röhre" und durch seine Erdantennenversuche einen Namen [158]. 1896 studiert H. Veillon die Magnetisierung von Stahlnadeln durch hochfrequente Entladungen. In Zürich konstruiert A. Kleiner 1897 an der Uni ein verbessertes Helmholtzsches Pendel. Mit diesem studiert G. Eichhorn die von ihm dann mit Erfolg auf HF-Kreise angewandte Summer-Erregung zunächst an niederfrequent schwingenden Kreisen. 1899 erfindet Prof. Thomas Tommasina in Genf einen sich selbst regenerierenden Kohärer [268]. D. Korda (Erfinder des Drehkondensators und des rotierenden Frequenztransformators) wirkt einige Zeit in Zürich.

Lediglich eine Entwicklung bringt längeren wirtschaftlichen Erfolg, nämlich der in den Jahren 1900-1902 von Ignaz Moscicki in Fribourg verbesserte Kondensator. Die noch allgemein üblichen Leidenerflaschen schlagen bei den hohen Spannungen oft durch. Die Kondensatoren von Fribourg haben einen so guten Ruf, dass Ferrié sie in der französischen militärischen Radiotelegrafie einsetzt [268].

1905 bestellt das Militärdepartement bei der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie in Berlin zwei Sender, wovon der eine im Gotthardmassiv (Gütsch, Fort Stöckli) auf 2328 m Höhe und der andere auf Rigi-Scheidegg auf 1607 m Höhe zu stehen kommt (Ausrüstung 1908, später sind es Marconi-Geräte). Als Empfänger dienen Kohärer und Morse-Apparat. Zwei hohe Antennenmasten auf Rigi-Scheidegg zeugen noch lange Zeit von der frühen Anwesenheit militärischer Anlagen. Die erste Installation bewährt sich nicht und kommt nach wenigen Monaten in die Funkerhütte der Kaserne Bern [268]. 1906 kauft das Militär zwei fahrbare Funkenstationen Tfk an. 1907 installiert es bei Morcles (St. Maurice) eine Fächerantenne. 1908 sind tragbare Funkenstationen der Compagnie Générale d'Electricité, Paris, im Einsatz. 1911 finden eigens für die schweizerischen Forderungen gebaute Löschfunkenstationen Telefunken von 3 kW Leistung und zwei Detektor-Empfänger Verwendung. Die "Verkehrstruppen" umfassen mehr als tausend Mann. 1914 richtet das Militär im "Funkerhaus" in Bern eine ortsfeste Station ein.

Am 16.12.07 entsteht ein Bundesgesetz, wonach nur der Bund Sendestationen errichten darf. Für eine einmalige Gebühr von fünf Franken darf man einen Empfänger für Zeitsignale installieren. Das Museum der Fondation Suisse du musée Suisse de l'audiovisuelle besitzt einen solchen Empfänger von 1905 vom Instruktions-Adjutanten Ulysse Passera sowie einen weiteren von 1913 vom Uhrmacher Droz-Georget in Rolle [210]. Diese Geräte sollen ab 1990 im Museum in Montreux gezeigt werden können.

Erste Konzessionen sind nötig

1911 erteilt die Schweizerische Eidgenossenschaft die ersten drei Radio-Empfangskonzessionen. Damit dürfen die Ecole d'Horlogerie, La Chaux-de-Fonds, Professor Paul-Louis Mercanton in Lausanne und Uhrmacher Arnold Türler, Zürich, die Zeitzeichen aus Paris empfangen. Eine Quelle führt ebenfalls Zeitzeichen von Nauen auf; die Station Nauen sendet jedoch erst ab 5.1.17 Zeitzeichen [149]. Rudolf Stuber führt in seinem interessanten Buch Faszination der kurzen Wellen [268] zwischen 1911 und 1912 folgende zehn erste Konzessionäre auf: Ecole d'Horlogerie; Mercanton; L. Brandt frères S.A., Biel; G. Blankert, Payerne; C. Barbezat-Baillod, Le Locle; J. Bauschenbachs Erben, Schaffhausen; J. Meystre (stud. ing.), Lausanne; Vve A. Sagne, La Chaux-de Fonds; Eidg. Meteorologische Zentralanstalt, Zürich, und Ed. Boillat, Reconvilier.

Vor Erteilung dieser Konzessionen errichtet Mercanton zwischen der Kathedrale und dem Rathaus von Lausanne eine Antenne von 185 m Länge, um Zeitsignale und Radiotelegramme aufzunehmen und berichtet darüber in der Sitzung der Schweizerischen Physikalischen Gesellschaft im Mai 1911 in Fribourg. Im April 1911 errichtet die Ecole d'Horlogerie in La Chaux-de-Fonds eine Versuchsanlage für den Empfang des Pariser Zeitsignals für die Zwecke der schweizer Uhrenindustrie. Die Obertelegrafendirektion (OTD) interveniert und beide dürfen eine Konzessionsurkunde unterschreiben. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich noch keine schweizerische Behörde um Konzessionsfragen gekümmert.

Dr. H. Zickendraht darf etwa 1912 am Peterskirchturm in Basel eine Sendeantenne von 100 m Länge und am Nadelberg eine kleine Sendeanlage aufstellen. Ab 1913 gibt Zickendraht in Basel Vorlesungen über Radiotelegrafie. Am Nadelberg stellt er zusammen mit H. Veillon vergleichende Versuche über Knallfunken- und Stossfunkensender an.

1912 entsteht für den Eidgenössischen Militärflugplatz Dübendorf ein Sender und im Herbst 1914 nimmt ihn die Flieger-Abteilung in Betrieb. Zivilflugfunk existiert dort ab 1917. Der Sender stammt von Telefunken in Berlin.

Mit Genehmigung der Militärbehörde kann Zickendraht nach Unterbrechung durch den Krieg im Juli 1915 die Versuche am Bernoullianum wieder aufnehmen. Er soll auf Anregung der Garnison von St. Maurice mit der Firma Klingelfuss (Induktorbau) militärische Geräte bauen. Unter Mitwirkung der Basler Glühlampenfabrik entstehen im Jahre 1917 Röhren für Sende- und Empfangszwecke, doch das Vorhaben kommt auf keinen grünen Zweig, da der Telegrafenchef der Armee sich dagegen wehrt und Telefunken-Apparate vorzieht, die 1917 als tragbare Geräte eintreffen. Später übergibt Zickendraht die in den Versuchen entstandenen radiotelegrafischen Lehr- und Experimentiermodelle an die Firma Maxim in Aarau, die sich auf Bausätze und Geräte eigener Fabrikation spezialisiert.

Von Anfang 1913 bis Anfang 1914 finden in Genf und im Elektrizitätswerk von Lausanne, wo genügend Gleichstrom zur Verfügung steht, Versuche mit dem Taktfunkensystem der Marconi-Gesellschaft statt. Diese führt der Erfinder R.C. Galetti de Cadilhac so erfolgreich durch, dass sogar Telefonie möglich ist [158]. Einzelne, in synchronem Ablauf wirkende Funkenstrecken erregen einen Schwingkreis derart, dass sich die Schwingungen der einzelnen Strecken zu regelmässiger Folge aneinanderreihen; der Kreis und die damit gekoppelte Antenne verbleiben in ständiger Schwingung [268].

Am 27.3.1914 tritt die Schweiz der Internationalen Vereinigung für radiotelegrafische Zeitmitteilungen bei. Das Projekt einer schweizerischen radiotelegrafischen Zeitsignalstation auf dem Chaumont bei Neuenburg kommt nicht zustande, dient aber zur Grundlage des am 1.8.1916 realisierten telefonischen Zeitdienstes.

Vor dem Ersten Weltkrieg baut J. von Kowalski in Fribourg einen Stossfunkensender.

Das Land verfügt relativ früh über einige Funkensendeanlagen. Diese benutzt man für militärische Zwecke oder für Forschung und Unterricht, wie z.B. die Anlagen der Universitäten Zürich, (Genf?) und Basel (Versuchsradiostationen). Lichtbogensender oder Hochfrequenzmaschinen von nennenswerter Grösse existieren nicht. Forschungsarbeiten gibt es wenige. In den Jahren 1916 und 1917 untersucht E. Banderet (Basel/Mulhouse) die Ausbreitungsbedingungen in den Alpen und verfasst eine interessante Arbeit [230], die 1919 in den "Verhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft in Basel, Bd XXX, S. 248ff", erscheint. Sendeanlagen, die vor der Aufnahme eines offiziellen Rundfunkdienstes bestehen, sind alle von ausländischer Herkunft, wenn man von dem tönenden Funkensender an der Versuchsradiostation der Basler Universität absieht. Auch die anderen Sender dieser Station (z.B. ein kleiner Röhrensender von Lorenz in Berlin) stammen aus dem Ausland. Während des Ersten Weltkrieges sind die wenigen Radiogeräte - wie in praktisch allen anderen Ländern - stillzulegen, weil man ihnen vornehmlich militärischen Charakter beimisst. Ab 1.1.21 erteilt die OTD (heute GD der PTT) wiederum Konzessionen.

Hier die Aufzählung der nennenswerten Sendestationen vor der Zeit des Rundfunks:

Der Militärsender von Kloten-Dübendorf, der Flugplatzsender von Lausanne-Champ de l'air, gebaut von der TSF, Paris, der Flugplatzsender Genf-Cointrin, der Sender Bern-Münchenbuchsee, beide von der Marconi-Company erstellt und der Sender im neuen Zeughaus Basel (St. Jakob).

Kurz einige Details über diese Sender:

Telegrafensender Bern-Münchenbuchsee

Der Völkerbund betreibt in Genf ab 15.11.20 einen weiteren Sender von Marconi. Der 6-kW-Sender kommt vorerst in Bel-Air bei Genf und später in Münchenbuchsee zu stehen, wo er für die zweite Völkerbundversammlung vom September 1921 dient. Zu dieser Anlage gab der englische Journalist (gemäss [268] Vertreter der englischen Marconi-Gesellschaft), Herbert Arthur White, 1920 den Anstoss. Die Station baut die Marconi-Gesellschaft auf eigene Rechnung und Gefahr auf und stellt sie dem Völkerbund zur Verfügung. Nun interessiert sich die Schweizerische Depeschenagentur in Bern für den Sender. Im Februar 1922 erfolgt die Gründung der Schweizerische Marconi Radio Station AG, wobei fünf Schweizer und zwei Engländer den Verwaltungsrat stellen, obwohl drei Viertel des Kapitals von Marconi stammen. Die Eidgenossenschaft hält ca. ein Viertel des Kapitals. Fr. 76'000 sind auf Anregung der Depeschenagentur von verschiedenen Zeitungen gezeichnet. Am 11.3.21 stellt der Bundesrat die Konzessionsbedingungen vor. Am 26.4.22 kommt die Anlage für den neuen Zweck in Betrieb.

Der Zwischenkreis-Röhrensender erreicht nun mit 12 parallelen Trioden 8-10 kW Antennenleistung. Weitere 12 Röhren dienen zur Gleichrichtung des Betriebsstromes. Der Schnelltelegraf erlaubt Leistungen bis 140 Worte pro Minute. Normalerweise sendet man auf Welle 3400 m. Die Betriebszentrale liegt im Hauptpostgebäude Bern. Der Sender steht ca. 10 km nördlich - oberhalb von Münchenbuchsee. Die 91,5 m hohen Antennentürme sind weithin sichtbar. Die Empfangsanlage steht wegen des Duplexbetriebes ca. 6 km von der Betriebszentrale entfernt auf dem Riederenhubel bei Bümpliz. Schon bevor Braun in Strassburg seine bekannten Rahmenversuche anstellt, entwickeln E. Bellini und A. Tosi 1908 einen vorzüglichen Richtungsfinder. Er funktioniert mit zwei in senkrechten Ebenen zueinander orientierten einfachen Drahtschleifen. Diese Einrichtung erlaubt es der Station Bern-Münchenbuchsee, mehrere Sender zugleich aufzunehmen - auch während der eigenen Ausstrahlung. Die Gegenstation für Amerika, Ostafrika und Asien bildet Ongar bei London. Bis zu einer Distanz von 2500 km (Moskau) besteht direkter Verkehr. Ab Juni 1923 funktioniert ein Wirtschaftsrundfunkdienst. Die empfangenen Wirtschaftsnachrichten von New York, London, Paris etc. gibt man als Dienstleistung lokal weiter [158].

Flugplatzsender Kloten-Dübendorf

Die militärische Flugplatzstation Kloten-Dübendorf mit Sender in Kloten und Empfänger in Dübendorf ist für Duplexbetrieb ausgelegt. Die im Sommer 1921 neu in Betrieb genommene Anlage ersetzt die alte von 1912 und soll bei 1 kW Antennenleistung eine Reichweite von 1000-1500 km erzielen. Bald erweitert man die Station durch einen Telefoniezusatz. Die Schirmantenne des Senders trägt ein 120 m hoher Rendahlmast. Der im Dezember 1922 gegründete Radioclub Zürich unternimmt mit dem Sender Rundfunkversuche.

Flugplatzsender Lausanne

Der Flugplatzsender Lausanne hat fünf einzeln regulierbare Senderöhren, die mit 2500 Volt Anodenspannung und einem Antennenstrom von 10 A bei Telegrafie oder 6 A bei Telefonie arbeiten. Bei Telegrafie weist der Sender eine Reichweite von 800 km auf, bei Telefonie etwa die Hälfte davon. Der Wellenbereich des Senders beträgt 600-2500 m. Am 22.8.22 ist Baubeginn und am 26.10.22 Sendebeginn. Im Buch La Radio - Ma vie schreibt Roland Pièce, dass am Eröffnungstag ein "schwarz" gesendetes Konzert zur Übertragung gekommen sei. Am 10.1.23 erhalten die Flugplatzsender Genf, Lausanne und Kloten die Sendekonzession der PTT. Die Stadt Lausanne ermächtigt im Januar die Betreiberin, Konzerte zu senden - das erste Konzert findet am 26.2.23 statt. Eine Suche nach Zeitungsberichten in der Lokalpresse von Ende Oktober 1922 ergibt, dass zu dieser Zeit kein Konzert zur Übertragung kam. So oder so stimmt auch die Behauptung nicht, dass Lausanne der vierte Rundfunksender war (oder der dritte, wie in [155-17] zu lesen ist), doch die Behauptung wird sich nicht mehr "ausrotten" lassen...

Lausanne strahlt am 26.2.23 jedenfalls als erster schweizer Rundfunksender aus - zuerst mit 0,4 kW auf 1080 m, dann mit 0,75 kW auf 850 m. Die Musik von Schallplatten (täglich ab 18 Uhr ca. eine Stunde?) ist ergänzt durch Nachrichten und Sportinformationen. Wettermeldungen kommen in Telegrafie auf 1680 m zur Ausstrahlung; die telegrafische Verbindung mit Dübendorf erfolgt auf 1400 m. Die Telefonieverbindung mit Flugzeugen erfolgt auf 900 m. Maurice Rambert, der spätere Leiter der Schweizerischen Rundspruchgesellschaft und Präsident des Weltrundfunkvereins, hat die Lizenz für regelmässigen Betrieb als Rundfunksender beantragt. Der Sender ist heute bei Radio Lausanne ausgestellt bzw. ab 1990 im Audiorama in Montreux zu besichtigen.

Flugplatzsender Genf-Cointrin

Im Sommer 1921 schliesst die englische Marconi-Gesellschaft zu Händen der zu gründenden schweizerischen Gesellschaft mit dem Kanton Genf einen Vertrag über die Dauer von 10 Jahren für die Station Cointrin. Den Sender erstellt sie - wie den von Lausanne - im Jahre 1922 [210]. Er weist eine Gleichrichter-, eine End- und eine Modulationsröhre für Telefonie auf. Der Wellenbereich umfasst 900-1800 m. Der Telefonieverkehr mit den Flugzeugen liegt auf 900 m. Telegrafisch ist sogar der Flugplatz Croydon in London zu erreichen. Nach [159] beträgt die Antennenleistung der Station Genf nur 300 und die der Station Lausanne 500 Watt. Wegen guter Erfolge in Telefonie richtet man bei beiden Stationen ein mit Tüchern verhängtes Musikzimmer ein und schon bald finden "Broadcastingversuche" statt, die in der ganzen Schweiz zu vernehmen sind. Vor allem Lausanne macht sich durch Radiokonzerte und -vorträge auf 1100 m einen Namen [158]. Später verbreitet Genf um 13 und 19 Uhr täglich die Wetterberichte der Meteorologischen Zentralanstalt in Zürich [159].

Sender Zeughaus Basel (St. Jakob)

1920 gibt es Sendeversuche und es kommt eine Verbindung Basel-Neuenburg zustande. 1924 erfolgt die Errichtung einer Station auf dem Flugplatz Basel (Sternenfeld), betrieben durch die Aviatik beider Basel. Es handelt sich um einen Marconi-Sender. Beide Sendemasten und das Sendehäuschen hinter dem Zeughaus stehen noch lange Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Rundfunkstationen

Die leicht zu begeisternden Welschschweizer nehmen die Anregungen des Auslandes zuerst auf. Sie finden in den französischen Publikationen aus den Jahren 1912 und 1913 genaue Angaben über die Anfertigung von Apparaten zu Sende- und Empfangszwecken. Bei Beginn des Krieges sind jedoch alle Antennen zu entfernen und die Apparate abzugeben. Das betrifft auch lizenzierte Amateure.

Um das Jahr 1920 entstehen die ersten Radio-Amateur-Vereine. Die Tätigkeit der Vereinsmitglieder besteht nicht nur im Herstellen von Empfangsgeräten und Aufnehmen von fremden Stationen. Man möchte einen schweizerischen Rundfunk schaffen. Im November 1922 schliessen sich in Genf und Lausanne die ersten Radioclubs der Schweiz unter dem Namen Schweizerischer Radio-Klub - Radio-Club-Suisse (SRK) zusammen. Am 26.11.22 findet in Fribourg eine Versammlung statt, deren Ziel es ist, alle Clubs zu vereinigen.

Voraussetzung: Ein liberales Gesetz!

Erst als man von der erstaunlichen Entwicklung Kenntnis nehmen muss, die der Rundfunk in den USA nimmt, gehen die Behörden auf dem europäischen Kontinent daran, die neue Erfindung der Öffentlichkeit zu erschliessen. Am 14.10.22 entsteht in der Schweiz ein Bundesgesetz [159]. Dieses spricht der OTD das alleinige Recht zu, Radioanlagen zu erstellen und wirtschaftlich zu nutzen. Die Ausführungsbestimmungen der Eidgenössischen Post-, Telephon- und Telegraphenverwaltung (PTT) bzw. damals der Obertelegraphenverwaltung (unterstehend dem Post- und Eisenbahndepartement) sehen keine Amateursendestationen vor. Ein Sender hat einem allgemeinen Bedürfnis zu entsprechen oder müsste eine nachgewiesene Notwendigkeit bzw. für wissenschaftliche oder fabrikationstechnische Zwecke unentbehrlich sein. Ein langer bürokratischer Weg, der oft Wochen dauert, erschwert das Anmelden von normalen Radio-Empfängern. Das Gesetz tritt am 1.1.24 jedoch in wesentlich liberalisierter Form in Kraft [153]. Am 1.3.24 erscheint der Erlass zu "Vorschriften betreffend Erstellung und Benützung von radioelektrischen Empfangsanlagen" [770000], denn dem geht folgendes voraus:

Im Dezember 1922 überreicht die Amateurvereinigung (SRK) in einer geschickt zusammengestellten Denkschrift Klagen betreffend mangelnder liberaler Haltung der Behörden der PTT. Es finden intensive Gespräche zwischen den interessierten Kreisen und den Behörden statt, denn in der Schweiz kennt man die sogenannte "Vernehmlassung", d.h. ein Gesetzentwurf der Bundesbehörde hat diese vorher den interessierten Kreisen zwecks Einholung deren Meinung zu versenden. Die OTD schlägt daraufhin eine wesentliche Vereinfachung der Anmeldungen vor. Im Dezember 1923 erfolgt die Durchberatung der neuen Fassung [159]. Ab 1.3.24 kommen Empfangsbewilligungen ohne Interessennachweis etc. für Fr. 10 pro Jahr zur Abgabe.

Verbreiterte Hörerbasis

Zu Beginn 1923 gibt es ca. 250 konzessionierte Empfangsamateure und mindestens soviele unangemeldete Hörer. Vereinigungen bestehen 1923 in Genf, Lausanne, Neuenburg, La Chaux-de-Fonds, Bern, Baden, Zürich, Schaffhausen, Basel, St. Gallen und Aarau. Innerhalb eines Jahres stossen Freiburg und St. Imier dazu. Ausser Basel und St. Imier sind im Februar 1924 alle diese Clubs Mitglieder im SRK mit Zentralkomitee in Neuenburg. Der Anschluss von Basel und St. Imier ist bereits in die Wege geleitet. Die populär gehaltene Zeitschrift Radio-Suisse - Schweizer Radio, herausgegeben in St. Imier, bildet das Vereinsorgan. Ausser dieser Publikation erscheinen zwei weitere Spezialzeitschriften Radio, Schweizerische Zeitschrift für drahtlose Telegraphie in Bern-Bümplitz, und Le Radio, Journal hebdomadaire de vulgarisation T.S.F. in Lausanne. Die Schweizerische Mustermesse von 1923 in Basel weist nur drei Stände von Firmen auf, die Radiogeräte herstellen: Zellweger in Uster, Televox in Neuenburg und Maxim in Aarau. Die ersten beiden Firmen stellen unter Lizenzverträgen her [158]. Im November 1923 sind bei der OTD erst an die 1000 Empfangsstationen eingetragen [159]. Mit der oben beschriebenen Liberalisierung ändert sich dies schnell. Ende 1924 gibt es 17'000 und Ende 1925 33'500 Empfangskonzessionen [770000].

Alle Geräte (auch vorhandene ältere Empfänger) sind ab 1933 mit einer Kontrollmarke der PTT zu versehen. Diese enthält in den ersten Jahren die Jahreszahl. Ein gebrauchter Apparat, den ein neuer Hörer kauft, erhält wieder eine neue Kontrollmarke. Oft entfernt man die erste Marke. Diese Kontrollmarken geben also nur bedingt Auskunft über das Alter des Gerätes - der Empfänger kann nicht jüngeren Herstelldatums sein. Der Erlös der Radiomarken dient zur Hauptsache für die Durchführung von Radioentstöraktionen.

Gesuche für Rundfunksender

Seit dem Jahre 1922 gehen bei der OTD in Bern eine Reihe von Gesuchen ein. Konzessionen zur Erstellung einer Sendestation und zum Betrieb der drahtlosen Telegrafie sind gewünscht. Zu diesem Zweck formiert sich auch die Radiophon AG, wobei zwei Drittel des Kapitals von Marconis Gesellschaften stammt.

Seit dem Ersten Weltkrieg herrscht in den meisten Staaten die Meinung, dass die drahtlose Nachrichtenübermittlung, abgesehen von den offiziellen Telegrafendiensten, eine militärische Angelegenheit sei. Andrerseits hat sich die Schweiz gemeinsam mit den anderen Vertrag schliessenden Ländern auf Grund des Petersburger Internationalen Telegrafenvertrages von 1875 verpflichtet, "alle notwendigen Massregeln zu ergreifen, um das Geheimnis der Depeschen und deren gehörige Besorgung zu sichern" [158].

Sofort nach Bekanntwerden des Gesetzentwurfes, im Oktober 1922, laufen neue Gesuche um Erteilung einer Sendekonzession ein. M. Rambert stellt im Auftrag einer in Lausanne zu gründenden Gesellschaft das erste Gesuch. Kurze Zeit darauf folgt der Radioklub Genf mit einer ähnlichen Eingabe. Auch ein Interessenkreis um Kloten meldet sich. Das Bestehen der Flugplatzsender hat weitere Ideen reifen lassen. Gemäss [770000] ruft der Physikprofessor an der ETH Zürich, Gustav Eichhorn, ein Institut für Radiophonie ins Leben. Der ETH-Sender dient zu Rundfunkversuchen in Zürich. Auf das Gesuch zur Genehmigung erhält Eichhorn (gemäss [770000]) noch 1923 vom zuständigen Beamten die Antwort: "Nehmen Sie von mir die amtliche Erklärung entgegen, dass wir das Radio in der Schweiz nie aufkommen lassen werden. Ihr Institut ist also gänzlich zwecklos!"

Bei den Verhandlungen des SRK mit den Behörden betreffend Liberalisierung des Radios möchten die Amateure nur einen starken Sender mit einer Energie von 5 kW und einer Reichweite von 1000 km, die Behörden kleine Regionalsender. Hier kann sich der SRK nicht durchsetzen. Erst 1931, mit Eröffnung des Landessenders Beromünster, ist das Ziel erreicht.

Am 10.1.23 erhalten die Petenten den Entscheid der Bundesbehörde, dass die Sendestationen Genf, Lausanne und Kloten Sendeversuche durchführen dürfen. Dies führt zu regelmässigen "Versuchssendungen" der drei Stationen. Den Rundfunk in der Schweiz betreiben und finanzieren während vieler Jahre Radioclubs und nicht die Industrie oder die Regierung.

Radio Zürich

Im Oktober 1923 ruft das Gründungskomitee der Schweizerischen Radio-Genossenschaft (SRG, Vorsitz Ing. Koelliker) zum Beitritt auf. Am 4.11.23 sendet das Komitee auf Welle 500 m seine erste öffentlich angekündigte Rundspruchsendung aus der Versuchs-Sendestation im Physikalischen Institut der Universität Zürich [153-5]. Dazu benutzt es einen von der Firma Maxim in Aarau zur Verfügung gestellten 20-Watt-Sender [397408]. Anfang 1924 sind zwei Drittel des Genossenschaftskapitals beisammen. Am 16.2.24 findet die Gründungsversammlung statt; in ihr kommt der Beschluss zum Bau eines eigenen Senders zustande. Allerdings darf sich die Genossenschaft nicht "schweizerisch" nennen und firmiert sich in Radiogenossenschaft in Zürich um. Die Versammlung beschliesst, für Fr. 70'000 einen 500-Watt-Sender der Western Electric Co. bei Bell Telephone Manufacturing Co., Belgien (BTM), in Auftrag zu geben.

Am 23.8.24 erfolgt die offizielle Eröffnung der Radiostation Zürich-Höngg mit einer Ansprache von Bundesrat Dr. Robert Haab [160] auf Welle 800 m. Dies ist in der Schweiz die erste Station, die ausschliesslich Rundfunksendungen ausstrahlt. Oft und aus verschiedenen Gründen hat Radio Zürich die Wellenlänge zu ändern, obwohl ihr die OTD zuerst 700 und am 5.12.24 definitiv 515 m zuteilt. Das passiert gelegentlich sogar inmitten der Sendung. Welle 515, 520 oder auch 640 sind in Gebrauch. Der Sender von nur 500 Watt Leistung hat in dem nur spärlich benutzten Wellenband eine erstaunliche Reichweite. Empfangsatteste kommen aus Norwegen, Spitzbergen, Irland, Russland, Ägypten, sogar aus Südafrika und den USA. Für das Abspielen von Grammophonplatten fehlen zu Beginn die Installationen; dafür stellt die Firma Musik-Hug einen "Welte-Mignon-Vorsetzer" zur Verfügung. Damit lassen sich mit dem vorhandenen Flügel automatisch Papierrollen abspielen. Anfangs verwendet man ein Kohlemikrofon, das nach etwa 30 Minuten Betriebsdauer Geräusche erzeugt und danach ganz verstummt. Um das Mikrofon abzukühlen und zu schütteln ist die Sendung jeweils für fast eine halbe Stunde zu unterbrechen [160]! Aber auch eine nasse Aussprache verträgt es nicht. 1931 kommt der alte Sender ausser Betrieb. Am 10.4.33 (Einweihung 6.5.33) bezieht man Räumlichkeiten in der Brunnenhofstrasse.

Radio Bern

Am 15.8.25 kommen im Berner "Bürgerhaus" 72 Männer zur Gründung der lokalen Radiogenossenschaft (RGB) zusammen. Den Vorstand bilden die Gründer aus Vertretern möglichst vieler Regionen, Behörden und Parteien. Am 19.11.25, nach zwei Monaten Versuchsbetrieb, eröffnet Radio Bern (Sender in Münchenbuchsee) auf Welle 302 offiziell sein Programm. Die gleiche Quelle [160] berichtet einige Seiten weiter allerdings "Hallo, Radio Bern auf Welle 403!" Andere Quellen nennen 411 m. Im Einzugsgebiet gibt es am 24.12.25 erst 4300 konzessionierte Empfangsstationen, statt der 18'000, die für einen Programmdienst ohne Defizit nötig sind [160]. Im Kursaal Schänzli dient ein früherer Fechtsaal als Studio. Ein elektrodynamisches Marconi-Mikrofon von ca. 20 kg Gewicht ist im Einsatz. Als Reserve und für Aussenaufnahmen steht ein zweites Mikrofon bereit, was zu jener Zeit nicht als Selbstverständlichkeit gilt. Dieser Typ bildet den Vorläufer der später aufkommenden dynamischen Lautsprecher. Ende 1927 dienen für Aussenaufnahmen ein Reisz-Kohlemikrofon in einem weissen Marmorblock von ca. 2 kg Gewicht und ein leichterer Verstärker. Während der Märzsession der Bundesversammlung erfolgt die erste Berichterstattung aus dem Bundeshaus. Am 19.11.30 ersetzt eine neue Anlage den Sender in Wankdorf bei Bern. Es sind sechs Mitarbeiter tätig. Der Stadtsender von 6 kW steht in der Bahnstation Münchenbuchsee. Ab 15.1.34 sendet Radio Bern auf 218,2 m (1375 kHz), wie Radio Basel. 1982 sprengt man den Antennenturm mit den Langwellenmasten.

Radio Basel

Anlässlich der Schweizer Mustermesse finden im April 1923 Rundfunksendungen aus dem Bernoullianum (20 Watt) statt. Das Publikum empfängt die Darbietungen mit auf der Mustermesse ausgestellten Geräten. Danach experimentiert man mit dem Aviatiksender beim Zeughaus auf Welle 1000.

Am 4.4.26 beginnt die Marconi-Gesellschaft Bern mit dem Bau des Senders Basel, der gemäss [210] am 19.6.26 seinen regulären Betrieb aufnimmt. Das Studio hat seinen Standort im SBB Hauptbahnhof. Die Sendungen sind oft zu unterbrechen, da ein Lift den Studioraum durchfährt! Im Hof der Physikalischen Anstalt befinden sich die Sendeanlagen; die bereits vorhandenen Versuchs-Antennentürme dienen als Antennenhalterung. Gemäss [210] ist ab 19.6.26 der Aviatiksender in Betrieb. Beide Antennenmasten beim Zeughaus standen noch während meiner Schulzeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Leider darf der Operateur erst nach dem Eintreffen des letzten Flugzeuges abends auf dem Sternenfeld-Flugplatz mit dem Sendebetrieb beginnen [160]. Man benutzt die Frequenzen 1100, 218,2 und 318 m.

Gemäss [210] arbeitet ab 18.8.30 ein neuer Sender. 1932 verlegt man die Sendestation in die Kaserne Klingenthal. Ab 15.1.34 ist Basel wie Radio Bern die Wellenlänge 218,2 m bzw. die Frequenz von 1375 kHz zugeteilt. Am 22.3.40 bezieht man ein neues Studio.

Radio Lausanne

Das am 26.2.23 offiziell eröffnete Radio Lausanne nimmt am 26.3.26 einen speziellen Rundfunksender von der Firma Marconi in Betrieb. Lediglich die Antennenanlage des Flugplatzes bleibt wie vorher in Benutzung. Am 23.3.28 erfolgt der Umzug nach Grand-Chêne und am 2.3.35 eröffnet man das Maison de la Radio à la Sallaz. 1931 übernimmt der Landessender Sottens die Ausstrahlung der Programme.

Radio Genf

Nach den frühen Versuchen mit dem Flugplatzsender eröffnet Radio Genf sein offizielles Programm am 10.3.25 aus dem Hôtel Métropole. Am 27.10.31 erhält Radio Genf seinen Platz im Salle de la Réformation und kommt am 21.7.40 an den Boulevard Carl-Vogt. Gemäss Wellenplan von Luzern arbeitet der Sender ab 15.1.34 auf 748 m (401 kHz).

Radio Lugano

Die italienisch sprechende Schweiz eröffnet am 6.11.33 das Studio Lugano und zieht am 6.11.38 ins Campo Marzio. Am 31.3.62 bezieht das Radio della Svizzera Italiana neue Räumlichkeiten. Seit dem 28.10.33 gelangen die Programme an den Landessender Monte Ceneri.

Landessender und Privatsender

Ab 15.11.26 erhalten die Rundfunksender folgende Frequenzen zugeteilt: Bern 411 m (1,5 kW), Zürich 500 m (1 kW), Lausanne 850 m (0,75 kW), Genf 760 m (0,3 kW) und Basel 1100 m (0,3 kW). 1930 errichtet man neue Sender in Genf (679 m mit 0,5 kW bzw. 760 m mit 1,25 kW), Basel 255,1 m, dann 220 m, dann 192,1 m mit 0,5 kW und Bern-Wankdorf 245,9 m mit 0,5 kW. Die Praxis zeigt, dass einzelne Regionalsender in einem so kleinen Land wie der Schweiz ein Unding sind.

Am 24.2.31 entsteht aus den regionalen Clubs die Société Suisse de Radiodiffusion (SSR) bzw. die Schweizerische Rundspruch-Gesellschaft (SRG). Das Eidgenössische Post- und Bahndepartement erteilt am 26.2.31 der SRG die Rundfunkkonzession. Unter Beibehaltung einzelner Studios, die sich das Programm aufteilen, plant man Landessender. Wegen der vier Landessprachen deutsch, französisch, italienisch und romantsch kommen drei "Landessender" zur Realisation, nämlich Beromünster und Sottens mit je 100 kW Leistung, sowie Monte Ceneri mit 15 kW. Romantsch sprechen wenige Personen, so dass die hauptsprachlichen Sender diese Sprache nur stundenweise pflegen.

Ab 15.1.34 ist die Leistung dem neuen Wellenplan anzupassen. Daneben arbeiten der Kurzwellensender Schwarzenburg (seit 6.5.39) mit 25 kW sowie die kleinen Stadtsender Basel, Bern und Genf. Der Sender Schwarzenburg brennt am 6.7.39 aus, kommt jedoch ab September 1940 wieder mit zwei Stationen von 25 kW in Betrieb. Bis 1967 erfasst die Kurzwellenanlage Schwarzenburg 5 Sender zu 100 kW und zwei Sender zu 250 kW.

Selbstverständlich bestehen sogenannte "Réduit-Sendeanlagen" für den Kriegsfall. Sie stammen von BBC (2 Stationen) und Hasler. Als Ausweichsender dient die am 1.8.34 eröffnete kommerzielle Kurzwellenstation von Radio Schweiz in Prangins bei Genf. Bis 1942 gehört diese Station dem Völkerbund [155]. Ab 5.11.78 heisst der Schweizerische Kurzwellendienst neu Radio Schweiz International.

Die Programmgestaltung der Rundfunkstationen ist Aufgabe von sieben regionalen Gesellschaften. Es sind dies: Die Radiogenossenschaften in Basel, Bern und Zürich; die Ostschweizerische Radiogesellschaft St. Gallen; die Société des Emissions Radio-Genève; die Société Romande de Radiodiffusion Lausanne und die Società Cooperativa per la Radiodiffusione nella Svizzera Italiana in Lugano. Die Gesellschaften betreiben fast alle eigene Studios (Basel, Bern, Zürich; Genf, Lausanne; Lugano) und sind in der SRG, dem Konzessionsträger, zusammengeschlossen. Einzig im Zweiten Weltkrieg gelangt die Hauptverantwortung und ab 1942 noch ein Teil davon an den Schweizerischen Rundspruchdienst (SR) als Organ des Eidgenössischen Post- und Eisenbahndepartements [155].

Ab 1.10.52 kommt in St. Anton bei Oberegg ein Versuchssender für UKW und Frequenzmodulation in Betrieb. Basierend auf dem Stockholm-Plan von 1952 errichtet die Schweiz 1955 je zwei FM-Sender bzw. Programme pro Landessprache, wobei sie ab 16.12.56 auf das zweite Programm verzichtet. Um das ganze Gebiet des Landes abzudecken, steigt die Zahl der FM-Sender in der Folge auf mehr als 200. Ab 17.5.78 erfolgen stereophone Aussendungen von der Station La Dôle, ab August gefolgt von den deutschsprachigen Stationen Bantiger, Albis, Rigi, Üetliberg, Säntis und St. Chrischona. Im September 1978 folgen die Stationen Monte Generoso und San Salvatore mit Stereoprogrammen auf italienisch.

Ab 1965 heisst die Rundfunkorganisation DRS. Mit der Rundfunkversuchsverordnung von 1983 (RVO) sind private Sender mit Werbung auf UKW erlaubt und Radio DRS startet ein drittes UKW-Programm. Von den 200 sich bewerbenden Gruppen erhalten 40 eine Zulassung; 1987 senden noch 34 private Stationen. Roger Schawinski hat wohl mit seinem ursprünglich von Italien aus jahrelang illegal operierenden Sender einen wesentlichen Beitrag zu dieser Entwicklung geleistet. Die PTT lässt sein Radio 24 in Zürich auf 102,8 MHz für die neue Lösung zu, was wiederum für die liberale Haltung der Behörden spricht.

Ein Merkmal des schweizerischen Rundspruchbetriebs ist die starke Verbreitung des Drahtrundspruchs während einiger Jahrzehnte. Diesen Dienst führt 1931 die Eidgenössische Telephonverwaltung ein; sie übernimmt auch den Betrieb. Zudem erhalten zwei private Gesellschaften eine Konzession zur Vermittlung von Programmen über eigene Drahtnetze: Rediffusion AG in Zürich und Allgemeine Radibus AG in Basel. Die Rediffusion betreibt Zentralen in Zürich, Lausanne, St. Gallen und Biel. Die Radibus arbeitet in Basel und Bern, geht jedoch 1946 in die Rediffusion über.

Sottens

Den Betrieb nimmt die Station am 25.3.31 auf und am 23.4.31 erfolgt die Eröffnung (403,8 m mit 25 kW). Der Luzerner Wellenplan sieht ab 15.1.34 dafür die Welle 443,1 m (677 kHz) vor. Am 1.11.35 erhält Sottens einen neuen Sender mit 100 kW Leistung. Ab 15.3.50 sendet Sottens mit 150 kW auf 764 kHz. Am 1.5.70 folgt ein neuer Sender mit max. 500 kW Leistung.

Beromünster und Sarnen (und Lenk)

Beromünster sendet ab 1.5.31 (Eröffnung 11.6.) mit 60 kW auf Welle 459,4 m. Ab 15.1.34 sendet Beromünster auf 539,6 m (556 kHz). Am 1.11.35 erreicht die Leistung 100 und ab 1947 150 kW auf 567,1 m bzw. 529 kHz. 1961 bringt ein neuer Sender 250 kW. Ab 30.6.67 erfolgen mit vertikal orientierter Antenne Versuche auf 192,1 m bzw. 1562 kHz (150 kW); man bleibt ab 5.12.67 bei dieser Ausstrahlungsart, bis ab 3.5.69 ein neuer



Sender ab 18.00 Uhr mit 500 kW auf 1562 kHz tätig ist, da Beromünster wegen anderer Sender auf der Frequenz abends schlecht zu hören ist. Ab 23.2.72 läuft das Programm auf 527 kHz. Ab 1973 funktioniert der Sender Sarnen (Vertikalantenne) mit 250 kW auf 1566 kHz und ab 1974 ist der Sender in der Lenk mit gleicher Leistung in Betrieb. Gemäss Beschluss der Internationalen Wellenkonferenz hat ab 23.11.78 Sarnen das Abendprogramm zu übernehmen.

Monte Ceneri

Die Inbetriebnahme des Landessenders Monte Ceneri erfolgt am 28.10.33 mit 15 kW auf Wellenlänge 257,1 m (1167 kHz). Ab 15.3.50 erfolgt die Ausstrahlung nach dem Plan von Kopenhagen auf 557 kHz mit 50 kW, ab 1951 mit einem neuen Sender von BBC mit 100 kW Leistung (ab 1967 nur 50 kW?). Ab 21.10.79 übernimmt der neue Sender Monte Ceneri-Cima mit 300 kW auf 558 kHz das Programm.

Relaissender

Am 1.2.48 kommt in Savièse (Kanton Wallis) auf 1367 kHz ein Sender mit 0,5 kW, am 20.4.48 der Sender Coire und im Mai 1949 der Sender Sool (Kanton Glarus) mit je 0,1 kW auf der gleichen Frequenz in Betrieb. Ab 21.10.67 sendet Coire mit 0,5 kW auf 1562 kHz, wie auch ab 8.11.67 Sool. Savièse erhält am 5.11.71 eine Leistungssteigerung auf 1 kW.

Zeitschriften

Die schweizer Tageszeitungen wie z.B. die Basler Nachrichten und die National-Zeitung in Basel bringen Anfang der 20er Jahre regelmässig Berichte über Funk. Die Neue Zürcher-Zeitung (NZZ) führt sogar alle 14 Tage in der Sonntagsausgabe einen eigenen Radioteil. Folgende Radiozeitschriften entstehen:

Le Radio

Diese im Stil einer Tageszeitung aufgemachte Zeitschrift gibt es in französischer Sprache.

Radio, Radio-Bern

Diese Monatszeitschrift erscheint ab Januar oder Mai 1923 [268] in deutsch- und französischsprachiger Ausgabe. Sie gilt sofort als beste Zeitschrift der Schweiz für Radiobelange. Herausgeber: Verlag Benteli A.-G., Bern-Bümplitz.

Radio Service

Ab 1941 gibt es die sechs mal erscheinende Fachhandels-Zeitschrift als offizielles Organ des Verbandes Schweiz. Radio-Fachgeschäfte (VSR) mit z.T. interessanten Reparaturtips.

Radio-Suisse - Schweizer Radio

Seit 1923 in St. Imier von Rosselet & Stettler herausgegeben, bildet die zweisprachige Zeitung das Vereinsorgan des SRK.



Radiobulletin

Die Schweiz. Vereinigung der Amateursender gibt dieses Bulletin ab Anfang März 1924 durch den Verlag Benteli heraus. Es wird auch als wöchentliches Beiblatt zu Radio verkauft.

Radiobau-Zeitung [35] und

Radiozeitung (Radio-Journal) [36]

Die Radiobau-Zeitung besteht 1924 in Richterswil und ab 1.12.25 gibt es aus dem Verlag Bopp, Zürich, die Radio-Zeitung und Radio Journal (franz.) als offizielles Organ des Radiobau-Vereins der Schweiz [293] auf gelbem Papier. Ihre Fortsetzung, die Radiozeitung, erscheint von 1926-27 im Verlag Bopp [268].

Radio-Programm

Schweizer(ische) Radiozeitung (SRZ) [38]

Schweizer Illustrierte Radio-Zeitung (SIRZ) [37]

Ab 11.7.24 gibt es in Zürich das Radio-Programm als offizielles Organ der Radio-Genossenschaft in Zürich, herausgegeben vom Fachschriften-Verlag & Buchdruckerei AG Zürich [293]. Ab 1.6.27 ist es anders gestaltet und nennt sich Schweizerische Radio-Zeitung. Ab 3.10.30 erfolgt eine weitere Modernisierung und der Titel wechselt auf Schweizer Illustrierte Radio-Zeitung (SIRZ). Dieses offizielle Organ der Schweizerischen Rundspruchgesellschaft (SRG) ist auch das Organ der anderen Radio-Organisationen und Landesverbände (Herausgeber AGRAP, Bern; Druck und Verlag Ringier). Ab ca. 1936 heisst das Organ Schweizer Radio-Zeitung (SRZ).

Die Hefte sind typische Programmzeitschriften, wobei zumindest bis in die 30er Jahre 1-2 Seiten technische Informationen erscheinen.

In den 40er Jahren kann man unter vier offiziellen Programmzeitschriften wählen: SRZ, Der Radiohörer, Le Radio und Radioprogramma. Zusätzlich erscheint in Zofingen ab 1933 Das kleine Kino- und Radioblatt [638862].

Publikum

Die einmalige Anmeldegebühr für ein Radio beträgt Fr. 5 und die Jahresgebühr Fr. 10. Ab 1924 steigt der zur Aufrechterhaltung der Sendeprogramme von der PTT an die Sendegenossenschaft im entsprechenden Gebiet weitergeleitete Jahresbeitrag um Fr. 10. Radiohörer können ab 1924 durch konzessionierte Elektroinstallationsfirmen typengeprüfte Geräte kaufen, die mit einer fortlaufenden Nummer gekennzeichnet sind. Der Installateur stellt den Ausweis mit Kopie für die Post aus [159].

Zusammenfassung der Teilnehmerzahlen



Am Ende der entsprechenden Jahre zählt man:

1911 3 Spezialbewilligungen

1914 128 "

1922 250 Radio-Empf.-Amateur-Bewilligungen

1923 980 "

1924 16'964 Radio-Empfangs-Konzessionen

1925 33'500 "

1930 103'808 "

1931 150'021 "

1932 231'400 "

1933 300'051 "



Erst ab 24.2.31 mit der Betriebsaufnahme der schweizerischen Landessender Beromünster und Sottens steigt die Teilnehmerzahl rasch. Im Januar 1944 gibt es insgesamt 788'530 Konzessionen; 76'237 Teilnehmer sind auf Telefonrundspruch abonniert und 28'790 bei den privaten Drahtrundspruch-Gesellschaften. Die Hörerdichte beträgt 185 auf tausend Einwohner. 1960 zählt man 1'444'975, 1970 1'850'612 und 1980 2'252'915 Radiokonzessionen. TV: 1953 920, 1954 4457, 1955 10'507, 1956 19'971, 1957 31'374, 1958 50'304, 1959 78'700, 1960 128'956, 1970 1'273'893, 1980 1'979'518 Konzessionen. 1987 gibt es 2'552'793 Radio- und 2'289'279 TV-Konzessionen. Fernsehen beginnt die Schweiz 1953 als Versuchsbetrieb, ab 1.1.58 im regulären Betrieb, ab 4.11.65 (Sender Bantiger) auch in Farbe (System PAL) bzw ab 1.1.68 als Versuchsbetrieb und ab 1.10.68 definitiv.
Stiftung Radiomuseum Luzern